Unsere Ernährungswissenschaftlerin Dalila Roglieri hatte die Möglichkeit die Kunst des Origami im Nippon Origami Museum in der Präfektur Ishikawa, im Westen des Archipels, zu bewundern.

In den letzten Jahren habe ich bemerkt, dass in den Buchhandlungen immer mehr Bücher über kreative Methoden zu finden sind, welche uns dabei helfen sollen, unser inneres Gleichgewicht zu finden.  Es ist Origami, die japanische Kunst des Faltens von Papier, wo Figuren von Menschen, Tieren, Blumen usw. angefertigt werden.

Was mir nach vielen Eindrücken in diesem wundervollen Land klar erscheint ist, dass die japanische Kultur in all ihren Besonderheiten wirklich ein organisches Ganzes ist und um die Essentradition vollständig zu verstehen, muss ich auch in die anderen japanischen Gewohnheiten eintauchen. Sowohl in die festlichen Traditionen, als auch in das tagtägliche Geschehen.

In meinen wundervollen Japangedanken versunken, kam ich an einigen Schaufenstern vorbei, die zweifellos meine Aufmerksamkeit weckten. Und zum Glück kann ich jetzt sagen: Wenn ich nicht stehen geblieben wäre, hätte ich das Schild in der obersten Etage des Gebäudes, in dem sich das Nippon Origami Museum befindet, nicht gesehen.

Das Museum ist eine fortlaufende Aufeinanderfolge von Schöpfungen – über 100.000 Kunstwerke sagt mein Reiseführer – eine beeindruckende Nachbildung von Blumen und Pflanzen – Hortensien in verschiedenen Farben, japanische rote Ahornbäume, lebendige Sonnenblumen. Meine Augen wollen einfach nicht den Tatsachen nachgeben, dass diese nicht real sind.

Schöne Stadtlebensszenen erzählen die Geschichte eines alltäglichen und farbenfrohen Japans, komplette Landschaften mit Häusern, Plätzen, Tempeln, Gärten, Menschen und Tieren. Nichts wird ausgelassen und es wird auf jedes Detail geachtet.

Mit dem Erstaunen über die kleinen Kimonos, die in ihrer Komplexität perfekt sind, ist es für mich eine echte Überraschung, im nächsten Raum ein Werkzeug zu finden, das man in einem Museum wie diesem nicht erwartet: ein Mikroskop. Es wird mir erzählt, dass man durch die Linse den kleinsten Origami-Kranich der Welt sehen kann, der kleiner als der Durchmesser eines Haares sei.

Sie erklären mir auch, dass der Origami-Kranich, auf Japanisch Orizuru, traditionell „Hoffnung“ bedeutet. Seit dem 18. Jahrhundert wurde sogar Sembazuru Orikata (wörtlich „tausend Kraniche falten“) veröffentlicht, das erste Buch über Origami. Seitdem besagt die Tradition, dass derjenige, der tausend Origami-Kraniche bastelt, dafür sorgt, dass sein größter Wunsch in Erfüllung geht. Damals hat Orizuru auch eine breitere und tiefere Bedeutung erlangt und ist zum Symbol des Friedens geworden.

Ich nehme mir noch ein paar Minuten Zeit, um den Reiseführer nach den Ursprüngen dieser Kunst zu fragen: Er sagt mir, dass es nicht wirklich so klar ist, da das Papier nicht gegen die Zeit im Laufe der Jahrhunderte beständig ist, also gibt es bis heute keine “ direkten “ Beweise. Es wird vermutet, dass es aus der Zeit nach dem sechsten Jahrhundert stammt, als das in China erfundene Papier in das Land der aufgehenden Sonne kam.

Da das Papier ein Wirtschaftsgut von hohem wirtschaftlichem Wert ist, begann die Verwendung des Faltens für dekorative Zwecke in wohlhabenden Klassen, wie den Mitgliedern des kaiserlichen Hofes und den Kriegern der Aristokratie. Erst in der Edo-Zeit (XV-XIX. Jahrhundert) verbreitete es sich unter den Menschen und nahm am Anfang verschiedene Namen wie Orikata (gefaltete Formen), Orisue, Orimon und Tatamigami an. Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts wurde dann der Name Origami übernommen, der aus den Begriffen oru (falten) und kami (Papier) bestand.

Nach dem, was ich über diese Kultur gelernt habe, glaube ich, dass das Geheimnis ihrer künstlerischen Verbreitung in der damit einhergehenden Botschaft liegt. Ein einfaches Blatt auf sich selbst zu falten, um eine neue Form zu schaffen, ist ein kreativer und generativer Akt. Gleichzeitig ist es eine ästhetische Suche, die dazu beiträgt, die innere Harmonie ans Licht zu bringen, welche manchmal in der Aufregung unseres Lebens verloren gehen kann.

Bis zum nächsten Eintrag – Tsugi no Kakikomi made!