Diesen Monat folgen wir Dalila zur Insel Sado, einer abgelegenen Insel im Japanischen Meer, die über Jahrhunderte als Zuflucht und Ort der Verbannung für politisch Verfolgte galt. Im Jahr 1600 wurden dort Goldminen entdeckt, welche der Insel wirtschaftliches Wachstum ermöglichten und noch heute dem touristischen Interesse zugutekommen.

Während meines friedlichen Spaziergangs um die Insel treffe ich ein japanisches Mädchen namens Mika. Ihre Gesellschaft ist freundlich und angenehm: Die perfekte Gelegenheit, um mit ihr über einige Impressionen der japanischen Lebensmittelkultur zu sprechen, die mich bisher neugierig gemacht haben.

Als Ernährungsberaterin möchte ich natürlich zunächst mehr über die Essgewohnheiten im Land der aufgehenden Sonne erfahren und über die Lehre der japanischen Lebensmittelkultur, über die ich in einigen Tagen einen Vortrag halten muss.

Seit meiner Ankunft bin ich beeindruckt von Menschen umgeben zu sein, die in einer sehr guten körperlichen Verfassung sind. Die kleinen Portionen, die im Bentō enthalten sind und die zentrale Rolle von gekochtem Reis, spielen in der japanischen Ernährung eine wichtige Rolle. Aber diese Dinge können nicht alleine für die sehr niedrige Adipositasrate des Landes verantwortlich sein, die nur 3,7% der japanischen Bevölkerung betrifft.

Mika und ich sprechen über die Maßnahmen der japanischen Regierung zur Prävention von Übergewicht, durch ein stärkeres Bewusstsein für die richtigen Essgewohnheiten: Mehrere Ministerien, die sich mit Bildung, Kultur und lokaler Lebensmittelförderung befassen, arbeiteten bei der Ausarbeitung der Lebensmittelbasierten Ernährungsrichtlinien zusammen.

Die grafische Darstellung der Ernährungsrichtlinien stellt einen Kreisel dar. Ich finde die grafische Darstellung des Kreisels, des traditionellen japanischen Spielzeugspiels, um Erwachsene und Kinder dieses Thema näher zu bringen, absolut passend gewählt: „The Japanese Food Guide Spinning Top“ verwendet das Bild des rotierenden Kreisels mit der gleichen Logik wie wir unsere Lebensmittelpyramide. Für Erwachsene hat der Kreisel eine fast sentimentale Bedeutung, da er in jungen Jahren ein spielerischer Zeitvertreib war, während das Spielen in Schulen die Vermittlung gesunder Ernährungsgewohnheiten bei Jugendlichen fördert. Da durch den zunehmenden Trend von westlichen Lebensmitteln, die gesunden Ernährungsgewohnheiten gefährdet sind.

Der Kreisel wird in Schichten unterteilt, die verschiedene Nahrungsgruppen repräsentieren. Die Reihenfolge der Gruppen ergibt sich aus den täglich empfohlenen Portionen, die von oben nach unten (zur Spitze des Kreisels) absteigen. Die Portionen werden in kleinen Tellern oder Schälchen gemessen, die meiner Meinung nach nicht mehr als 100 Gramm enthalten.

Ausgehend von oben ist die Bedeutung der körperlichen Aktivität und der Konsum von Wasser oder grünem Tee ersichtlich. Das Bild zeigt einen kleinen Mann, der um ein Glas herumläuft, welches ein Zeichen für den Flüssigkeitsverbrauch in Abhängigkeit vom Grad der ausgeführten körperlichen Aktivität darstellen soll.

Die erste Gruppe von Lebensmitteln stellt Getreidezubereitungen dar, für die ein täglicher Verzehr von 5 – 7 Portionen empfohlen wird. In Japan basiert die Ernährung auf Reis: Eine Schale des gedünsteten Getreides ist in jeder Mahlzeit als Beilage enthalten und wird für die Zubereitung des traditionellen Sushi verwendet. In Suppen werden häufig Nudeln verwendet: Udon Nudeln basieren auf Weizenmehl, während Soba Nudeln auf Buchweizen basieren. Ich bin über die Präsenz von Brot in der Getreidegruppe überrascht, was auf einen Trend zum Verzehr westlicher Nahrungsmittel hinweist.

Als nächstes kommt die Gruppe der Gemüsegerichte, für die 5 – 6 Portionen pro Tag empfohlen werden. Die Grafik stellt Salate, gekochtes Gemüse und Suppen dar. Fermentiertes Gemüse soll täglich verzehrt werden und ist oft als Bestandsteil in der Bentō Box zu finden. Traditionell bereiten sie die Frauen in der Familie zu Hause vor, die Boxen sind aber auch im Supermarkt erhältlich. Fermentierte Produkte fördern die Verdauung und helfen, die Mikrobiota gesund zu erhalten.

Tierische oder pflanzliche proteinreiche Lebensmittel sollten nicht 3 – 5 Tagesportionen überschreiten. Dazu zählen Fleisch, Fisch, Eier und Sojaprodukte, wie die unreifen Bohnen (Edamame) oder fermentierte Produkte (Tofu, Tempeh).

Dann finden wir Milchprodukte und Obst für die jeweils bis zu 2 Tagesportionen empfohlen werden. Die Empfehlung ist nicht verwunderlich, da ich bisher überwiegend Sojamilch und Matcha in Japan konsumiert habe und selten Milchprodukte in lokalen Speisekarten finden konnte. Es ist nicht üblich, Obst am Ende der Mahlzeit zu servieren, aber es wird häufig als Snack verspeist – besonders, um den Konsum von Industrieprodukten, Süßem oder zuckerhaltigen Getränken zu vermeiden.

Die japanische Ernährung hat Ähnlichkeiten mit der mediterranen Ernährung. So wird die richtige Versorgung von Nährstoffen durch Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte sichergestellt. Die große Stärke der japanischen Ernährung liegt in der Größe und Ausgewogenheit der Portionen sowie dem übermäßigen Konsum von pflanzlicher Eiweißnahrung und frischem Fisch.

Die Ernährung ist auch mit einem aktiven Lebensstil und Entspannungs- und Meditationsaktivitäten verbunden, welche die innere Ruhe und das innere Gleichgewicht fördern.

Guten Appetit – Meshiagare!